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Sonja

meiner Diagnose habe ich Vollzeit als Kassenaufsicht und Warenwirtschaftskraft in einem Baumarkt gearbeitet.

Im März 2020 ertastete meine Frauenärztin einen Knoten in meiner linken Brust, woraufhin ich sofort zu einer Mammografie überwiesen wurde. Es folgte eine Stanzbiopsie und einige Tage später dann die Gewissheit: Bösartiger Tumor.

Für mich brach in diesem Moment eine Welt zusammen.

Nachdem der erste Schock überwunden war, sagte ich mir: Ok Sonja du lässt jetzt den Tumor entfernen und die Chemotherapie über dich ergehen und dann bist du in spätestens 12 Monaten wieder gesund.

Aber es kam alles anders als erwartet.

Obwohl man mir bei dem Vorgespräch sagte, der Tumor sei nicht aggressiv, stellte sich während der weiteren Untersuchungen wie CT und Knochenszintigramm heraus, dass der Tumor bereits in Leber, Lunge und Brustbein gestreut hatte.

Und da saß ich nun, nicht mehr in der Lage klar zu denken.

Da die OP in der „Corona Zeit“ stattfand, durfte ich keinerlei Besuch bekommen und stand auf weiter Strecke mit meinem Desaster alleine da.

Zum Glück gibt es heute die Möglichkeit des Videocalls, doch eine tröstende Umarmung ersetzt dieser natürlich nicht.

Während des Krankenhausaufenthalts habe ich sehr viel telefoniert, was mir sehr geholfen hat, das ganze erst einmal halbwegs zu verdauen.

Es folgte dann ein Gentest, der zum Glück negativ ausfiel und somit eine Entfernung der Brust nicht notwendig war.

Da mein Tumor (Her2 neu negativ) hormonabhängig war begann dann knapp

4 Wochen später meine Therapie mit einer Kombination aus einer Antihormontherapie + Tablettenchemo (CDK 4/6 Inhibitor). Zudem bekomme ich alle 4 Wochen (inzwischen nur noch alle 3 Monate) Bisphosphonate für die Knochen, um eine Osteoporose zu verhindern und einmal im Monat eine Spritze in die Bauchdecke um die Funktion der Eierstöcke auszuschalten.

Gedanklich war ich bereits auf eine richtige Chemotherapie eingestellt und war so erleichtert das ich das ganze erst mal in Tablettenform bekommen kann.

Zu der Therapie wurde dann die Metastase im Brustbein 25x bestrahlt.

Das medizinische stand nun fest aber dann fing das Karussell der Fragen an sich zu drehen:

Wie soll ich mich jetzt ernähren?

Was kann ich tun um den Verlauf positiv zu beeinflussen?

Welche Therapieoptionen gibt es und wo finde ich die zuständigen Spezialisten?

Werde ich je wieder arbeiten können?

Wie lange werde ich noch leben?

Fragen über Fragen.

Um Antworten auf die Fragen zu finden, fing ich natürlich sofort an das Internet zu durchforsten.

Und ich kann euch sagen das ist nicht immer gut. Das Internet ist voll von tausenden Meinungen und Artikeln, was mich sehr verwirrt hat.

Ich wusste gar nicht mehr was richtig und was falsch ist.

Ich habe mich dann einer Facebookgruppe für metastasierte Brustkrebspatienten angeschlossen, wo ich im direkten Austausch mit bereits erfahrenden Frauen stand.

Seit Corona findet auch regelmäßig ein Austausch in Form eines Online-Meetings statt.

Es zeigt mir, dass ich nicht alleine bin und die gegenseitige Unterstützung gibt mir viel Halt.

Im Grunde muss jeder seinen Weg finden und auch jeder Verlauf der Erkrankung ist bei jedem individuell. Man darf sich nicht mit anderen vergleichen, auch wenn derjenige den selben Tumor hat.

Jeder Krebs ist anders!!!

Inzwischen sind 4 Jahre voller Höhen und Tiefen vergangen. Begleitet von Ängsten vor dem Sterben, der Therapien inkl. Nebenwirkungen und OP´s sowie Schmerzen die noch im Laufe der Erkrankung auf einen zukommen.

Dank meiner Psychologin sowie einiger Online-Kurse, die kostenlos von der Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft angeboten werden, habe ich mittlerweile gelernt nicht mehr so sehr in die Zukunft zu schauen, sondern im Hier und Jetzt zu sein.

Aber auch das gelingt natürlich nicht immer.

Das Schlimmste ist einfach die Unberechenbarkeit. Niemand kann dir sagen wie es ausgeht.

Ich habe in den letzten Jahren viel über mich und das Leben gelernt und auch trotz der Erkrankung viele tolle Momente erlebt und tolle neue Menschen kennengelernt.

Seit der Erkrankung weiß ich viele kleine Dinge wieder zu schätzen und versuche jeden schönen Moment festzuhalten. Man bekommt einen völlig anderen Blick auf das Leben und nimmt die Umwelt ganz anders war.

Ich verbringe sehr viel Zeit am Meer und in der Natur und empfinde so oft eine wahnsinnige Dankbarkeit für jeden noch so kleinen schönen Moment ( z.b Sonnenuntergang ).In solchen Momenten bin ich so voller Glücksgefühle.

Ich versuche wieder den Weg zum Glauben zurückzufinden, denn ich war schon immer davon überzeugt, dass es nach dem Tod etwas gibt und das Leben nicht zu Ende ist!

Seit November 2023 gibt es nun eine sehr tolle Selbsthilfegruppe in Heide, in der ich sofort mit ein paar anderen tollen Frauen einen Platz im Orga-Team eingenommen habe. Die Gruppe ist wirklich bereichernd und wir haben trotz unserer Situation jede Menge Spaß. Wir machen neben dem Austausch auch immer verschiedene Dinge,

wie zum Beispiel: Steine bemalen, Atemübungen etc.

Oben auf der Homepage findet ihr die nötigen Daten.

Mein besonderer Dank gilt meiner Familie und den vielen tollen Menschen um mich herum,

die mir immer wieder Kraft geben und sich geduldig meine Sorgen anhören.

Meine Erkenntnisse die ich euch mit auf den Weg geben möchte:

Genießt das Leben, haltet jeden schönen Moment fest und seid achtsam!